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Die Europäische Union
von Gerhard Lukert, veröffentlicht am 25.03.2005
© Gerhard Lukert
Die Europäische Integration ist in Verbindung mit der sog. "Wiedervereinigung Deutschlands" sowie mit dem sog. "Zusammenbruch der Sowjetunion" der bedeutendste politische Prozess der Gegenwart.
Deutschland und Russland haben im 20. Jahrhundert aufgrund unausgewogener eigener Entwicklung das seit alters her wohl balancierte aber doch sehr labile gesamteuropäische System schwer gestört.
Die seit 50 Jahren zu beobachtenden Bemühungen der Wiederintegration sind zugleich Heilung dieser Beschädigungen wie auch Fortsetzung sehr alter Europatraditionen: beispielsweise waren im Mittelalter gewiss mehr deutsche Studenten an den Universitäten Italiens oder Frankreichs eingeschrieben als heute, und umgekehrt hatten wir damals kurzzeitig einen Spanier und einmal sogar einen Engländer als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Und eben dieses Reich war das seinerzeitige historische Pendant zur heutigen Europäischen Union.
Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25. März 1957 in Rom, 18:53 Uhr
Mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25. März 1957 tritt der europäische Einigungsprozess von der rein politisch-diplomatischen Ebene in eine juristische, völkerrechtliche Dimension. Er fixiert und strukturiert sich nun, er erhält eine gewisse innere Autonomie und Konsequenz, es entsteht ein materieller Prozess.
Von daher ist es angebracht, das damalige Ereignis zunächst wie einen Geburtszeitpunkt zu behandeln und alle nachfolgenden Entwicklungen und Ereignisse darauf zu beziehen. Läßt sich aus einem solchen Untersuchungsansatz ein stimmiges Gefüge von Interpretationen und Prognosen ableiten, so spräche dies für die Richtigkeit der Auswahl dieses speziellen "Geburtszeitpunktes".
Die Quellenangabe für dieses Horoskop stammt aus dem Buch von Franz Knipping "Rom, 25. März 1957, Die Einigung Europas" (dtv 30609), welches außer einer präzisen Schilderung des damaligen Tagesgeschehens auch einen Abriss der seitherigen Geschichte der EU enthält.
Schwierig am Thema EU allerdings ist seine Abstraktion:
bei einer geschichtlich bedeutenden Person, bei einem Massenunglück, bei irgendwelchen Wahlen hat man immer noch eine anschauliche Vorstellung. Bei der EU als Gebietskörperschaft und als historisch-politischem Prozess befindet man sich völlig im Bereich abstrakter und juristischer Begriffe.
Bedauerlicherweise haben wir im Falle der EU auch keine prominenten Politiker zur Verfügung, an denen wir die EU repräsentativ festmachen könnten, auch keine symbolträchtigen Ereignisse wie einen Mauerfall. Aber vielleicht ist gerade das ein spezifisches Charakteristikum des EU-Prozesses, das es zu beachten gilt? Es sollte dieser Mangel an Anschaulichkeit jedoch nicht als Erschwernis angesehen werden, sondern als reizvolle Aufgabe, als Herausforderung.
Die nachfolgenden Hinweise zur Deutung des Horoskops wurden zusammengestellt als Arbeits- und Diskussionspapier für die Tagung der Mundansektion des DAV am 2./3. April 2005. Sie sind gedacht als Anregung für die Einarbeitung in diese spezielle Materie. Niemand braucht die hier geäußerte, allein aus Platzgründen unvollständige Sichtweise übernehmen, es handelt sich lediglich um ein paar Kriterien, die beim Nachdenken über die EU und über die Horoskope der einzelnen Ereignisse einem in den Sinn kommen und bei der Deutung vielleicht eine Rolle spielen könnten. Am Ende dieses Dokuments ist eine Datenserie mit weiteren wichtigen Ereignissen, die für ein vertieftes Studium (Transite, Prognosen etc.) genutzt werden können.
Beurteilungspunkte für die Deutung des Horoskops
1. Die EU stellt sich fast nicht nach außen dar oder - besser formuliert - sie vermittelt ein sehr kontrolliertes Medien-Bild von sich selbst.
Nur bei Vertragsunterzeichnungen, bei Szenen im Parlamentsgebäude oder bei vergleichbaren Situation bekommt der Bürger einen Einblick. Er hat deshalb weder einen real-konkreten Bezug, noch hat er einen symbolischen Bezug (außer Flagge und Euro), geschweige denn findet er einen personalen Bezug (etwa über einen Präsidenten mit "Haut und Haar").
Die EU ist sozusagen völlig fleisch- und seelenlos, sie besteht nur aus administrativen, exekutiven und diplomatischen Vorgängen, die von einem Mantel professioneller Presse- und Medienarbeit umhüllt sind. In diesem Zusammenhang ist hinzuweisen auf die Konstellation "Merkur am DC". Für die antike Mythologie war Merkur nicht nur die Intelligenz und gute Rede, sondern die Mythologie weiß auch, daß diese beiden Eigenschaften oft bei Kriminellen und Lügnern vorhanden sind. Sogar kriminalsoziologische Untersuchungen der Gegenwart haben festgestellt, daß Ladendiebstähle signifikant häufiger von "gebildeten und intelligenten" Menschen verübt werden, von denen man ein derartiges Verhalten eigentlich gar nicht erwarten möchte.
In der Politik bedeutet Merkur am DC eine - vorsichtig ausgedrückt - starke Diskrepanz zwischen Wort und Versprechung einerseits und dem tatsächlichem Handeln andererseits. Wir in der deutschen Geschichte haben mit dieser Konstellation schon gründlich Erfahrung gemacht, und auch unserer gegenwäriger Kanzler hat sie in seinem Horoskop.
2. Die EU ist ferner wie eine Flut von Rechtsverordnungen und Gesetzen, eine juristische Tsunami, die alles erwürgen könnte - selbst nationale Ministerien verlieren vor ihr manchmal den juristischen Durchblick, ja diese Ministerien fürchten oft sogar die EU bzw. deren Organe (etwa die "Kommission").
Die EU ist ferner ein riesiger bürokratischer Apparat, man vergleiche etwa beispielhaft den Aufwand, der für Übersetzung getrieben wird (es gäbe da sicher auch andere Lösungen!).
Saturn und Steinbock sind in diesem Horoskop sehr gut gestellt; das natürliche Rechts- und Staatsempfinden (wir haben es hier mit einer politischen Institution zu tun!) ist zwar vorhanden und ein deutlich unterstrichener Wesenszug (Mond in Haus IV), aber gerade der Mond ist durch eine Opposition verletzt. Ferner ist Krebs am MC - und somit Steinbock am IC - eine Inversion, die bei erwähnter und sonst starker Stellung des Saturn die Verwirklichung von Mond-Krebs-Prinzipien ins Hintertreffen geraten oder zumindest sehr unausgewogen werden lässt.
3. Die EU ist ein gewaltige Geld-Absorbier-Maschine, und umgekehrt natürlich eine entsprechende Geldverteilungsmaschine. Venus und Stier stehen auf den ersten Blick gut, Skorpion in Haus zwei ist ebenfalls ein Vorteil für finanzielle Angelegenheiten (mit einem gut gestellten Pluto in Haus XI: spendable aber auch Pflichten auferlegende "Freunde"). Jedoch haben die Stier-Prinzipien in diesem Horoskop schwierige Resonanzkopplungen, etwa (1) Venus Opposition zu Jupiter in Haus XII oder (2) Neptun in Haus II und in Opposition zum Stier, was demnach zu Verlusten und unangemessener Verwendung - sprich: Verschwendung - führen kann.
4. Die EU wird über weite Bereiche hinweg unterhalten bzw. getragen von völlig abgehobenen Funktionären und Technokraten, die niemandem Rechenschaft geben müssen außer den Parteien (!), die sie entsandt haben.
Hierbei achte man auf die Kälte des Uranus in Haus X, die durch die Opposition zu Mond zugespitzt ist (der Uranus steht bereits im Löwen, nicht mehr im Krebs, und ist deswegen noch unabhängiger von der Krebs-Situation in Haus X !).
Als Deutsche haben wir ebenfalls hinreichend Erfahrungen mit Uranus: die gleiche Felder-Position hat dieser Planet im Deutschland-Horoskop (01.01.1871, Berlin, 00:00 Uhr >> Grafik). Und gerade deswegen wurde Deutschland lange Zeit von seinen Nachbarn gerne als ein "ewiger Unruheherd", als eine "losgerissene Schiffskanone" empfunden. Ganz entsprechend "uranisch" setzt ja nun auch die Europäische Integration auf historischen Fortschritt und auf die Verwirklichung von Utopien: sie möchte das noch nicht Vorhandene in die Gegenwart hereinholen.
Die Opposition zum Mond bringt zum Ausdruck, daß das alles in Konflikt zum natürlichen Empfinden stehen wird, wobei das letztere wohl den Kürzeren ziehen wird. Zumindest aber werden entsprechende Ausgleichsprozesse schmerzhaft und nur unter Opfern ablaufen, bei ungünstigen Transitkonstellationen kann das sogar zu Blutvergießen führen. Man beachte bitte: der uranisch verletzte Mond steht selbst noch im Wassermann, woraus hier schon ein Potential für Konflikte entsteht, u.z. zwischen ultramodernen und technokratischen exekutiven Akten (bzw. den Gesetzen und Verordnungen in Haus X) und dem natürlichen, seelischen Empfinden des "Volkes"/Mondes.
Umgekehrt kann diese Konstellation mit Mond in Wassermann natürlich auch emotionale Aufgeschlossenheit gegenüber dem "Neuen" bedeuten. Über die negative oder positive Ausrichtung entscheiden am Ende die aktuellen Bezüge, also Transite und andere Auslösungen.
5. Exekutiv beherrscht und gesteuert wird der gewiss träge reagierende EU-Apparat/Prozess allein von den Einzelregierungen, beziehungsweise vom Kräftegleichwicht oder der Kräftekonstellation, die im Konzert dieser Regierungen jeweils sich ausbildet.
Es ist wiederum auf die Ähnlichkeit zum Deutschlandhoroskop hinzuweisen, das ja ebenfalls einen Waage-Ascendent hat. Die EU ist ein Kompromiss, der ständig erneuert werden muss, und dessen aktueller Zustand astrologisch gesehen von daher besonders durch die jeweiligen transitären Bezüge und Belastungen der Waage am Aszendenten beurteilt werden muss.
Als zugehöriges planetarisches Prinzip für die Waage steht die Venus zur Verfügung. Nach Auffassung des Autors sollte Transpluto/Isis der Waage zugerechnet werden, aber da die Position dieses Herrschers der Waage nicht exakt bekannt ist, so darf man durchaus mit der Venus arbeiten. Die Waage am Aszendent vermittelt zunächst ein weiches, nach Zustimmung und Integration suchendes Wesen. Duch die solare Gruppe am Ende von Haus VI bzw. in Nähe des DC kommt nun eine Note von "Servilität" ins Horoskop herein, überdies auch ein starkes und sehr anfälliges Ungleichgewicht auf der AC/DC-Achse (Opposition!), das je nach aktueller Transitkonstellation ins Gegenteil von Waage - d.h. in den Widder! - umschlagen oder auch umfallen kann. Für das "Umschlagen" gibt es ein gutes Beispiel in den Sanktionen, die gegen Österreich verhängt wurden, für das "Umfallen" dagegen mag das Verhalten der EU im Jugoslawien-Konflikt als gleichermaßen wenig rühmliches Beispiel dienen.
6. Vermutlich ist der Aszendent Waage zusammen mit dem Uranus in Haus X im EU-Horoskop ein "Erbe" des Deutschland-Horoskopes. Man könnte vielleicht sogar die prominente Stellung des Neptun noch mit unter diese genetischen Faktoren rechnen. Während wir nun aber beim Deutschlandhoroskop den Neptun in Haus VII haben (man vergleiche hierzu u.a. den ewigen Pessimisus der Deutschen!), so hat Neptun sich bei der EU ins erste Haus eingeschlichen, und er ist überdies negativ attributiert mit Quadraten zu Uranus und Mond. Das ganze EU-Konglomerat hat demnach kein eigenes Steuerzentrum, es ruht nicht in sich selbst, ist nicht selbst-aktiv, nicht selbst-bewußt, hat kein aktives Ego. Es ist somit sehr leicht zu blockieren - und zu missbrauchen. Das mag von Fall zu Fall eine Gruppe von Mafiosi sein, die sich Agrar-Zuschüsse ergattert; das könnte ein EU-Funktionär sein, der trotz Verpflichtung auf das europäische Gemeinwohl doch nur für den Profit seines eigenen Landes oder gar einer Firma (Korruption!) arbeitet; das könnte eine Einzelregierung sein, die irgendetwas durchsetzen oder bremsen will; ja sogar relativ außenstehende Einzelpersonen können bei geschickter Manipulation merkwürdige Kettenreaktionen auslösen, wenn eine entsprechende "Vorspannung" gegeben ist: beispielsweise scheint der verstorbene österreichische Präsident Klestil seine Freunde bei der EU gebeten zu haben, Schüssel und Haider ein bißchen unter Druck zu setzen (weil er selbst hilflos war?), woraus nach einigen Aufbauschungen und Entgleisungen die Affäre um Österreichs Ausgrenzung wurde - eine sehr bedenkliche Angelegenheit übrigens, die gar nicht zum einstigen Ziel "Integration" passt und eben den "Widder" zum Vorschein bringt. Auch die gegenwärtige Diskussion um die Türkei lässt manche derartige Blicke "hinter die Maske" erhaschen!
7. Bitte beachten: die EU ist ein "permanent sich ausdehnender" Prozess: es wachsen die Mitgliederzahlen, die Kompetenzen und der Einfluß der EU, es wachsen die Mittel, die Beschäftigten, die produzierten Gesetze usw. - das heißt also: die EU ist expansiv, gefräßig und sehr einnehmend.
Aus der Stellung des Jupiter bzw. aus den planetaren Färbungen von Haus IX oder des Schützen kann diese Eigenschaft, obwohl naheliegend, nicht abgeleitet werden. Der Autor dieses Artikels hat keinen Vorschlag, wie diese Eigenschaft interpretatorisch abgestützt werden könnte (außer durch Heranziehung des Transpluto, was aber in diesem Rahmen methodisch nicht möglich ist).
8. Bitte beachten: die Menschen, die von der EU betroffen sind, haben ein zwiespältiges Gefühl, oft eine Ablehnung gegenüber der EU. Die EU ist daher in Europa eigentlich nicht "verankert", sie erscheint als etwas "Künstliches", etwas "Volksfremdes".
Das hat nicht allein mit der eingangs diskutierten Selbstdarstellung/Repräsentation der EU-Institutionen zu tun, sondern hat eine eigenständige objektive Realität im Verhältnis zwischen EU-Organisation und EU-Bürgern: fast könnte man sagen, daß hier gar kein Verhältnis vorliegt.
Tatsächlich nämlich ist die EU bis jetzt weitgehend eine Angelegenheit der nationalen Regierungen und politischen Eliten, sie gibt nur vor (Merkur am DC; Neptun in Haus I), dem Volk zu dienen und sein Empfinden zu repräsentieren (Dienen: Sonne in Haus VI; Volk: Krebs in Haus X; Mond in Haus IV). Wie aber oben gezeigt wurde, sind all diese versprochenen Absichten durch bestimmte Aspekte stark verletzt sowie durch andere Horoskop-Faktoren insgesamt in der Verwirklichung geschwächt.
Bei der astrologischen Beurteilung einer Instutition sollte immer nach Haus IX gefragt werden, weil dort die "Gerechtigkeit" und "Ehtik/Moral" thematisiert werden. Im Geburtsbild finden wir hier den Zwilling, der in Resonanz zu dem bereits als zwiespältig geschilderten Merkur am DC steht, der Häuserherrscher dagegen sitzt im zwölften Haus: keine große Chancen für politische Ideale wie Gerechtigkeit, Demokratie und andere wünschenswerte Tugenden.
9. Sehr schwierig ist es, neben diesen angedeuteten Äußerlichkeiten nun den eigentlichen Geist der EU zu fassen. Es wird mit ihr zwar eine "Integration" der Nationalstaaten angestrebt, aber unter welcher Prämisse? Und mit welchem Endziel? Um welchen Preis?
Soll am Ende ein imperiales Europa nach außen entstehen? Soll im Inneren eine Freihandelszone mit Minimal-Löhnen und amorpher Multi-Kulti-Gesellschaft entwickelt werden? Letztere überdies gekoppelt mit einer leicht manipulierbaren Demokratie nach dem gegenwärtigen italienischen Vorbild "Berlusconi" ?
Spielen die historischen Traditionen Europas überhaupt noch irgendeine Rolle in diesem neuen Europa: unsere Religionen, Nationalkulturen, National-Interessen, sozialen Ideen, regionalen Eigenheiten? Birgt die EU Gefahren, die für den einen oder anderen Einzelstaat oder für die EU-Bürger existentiell bedrohend werden könnten (z.B. europäischer Haftbefehl)? Ist es vorstellbar, daß die EU von Mächtigen ausgenutzt und zur politischen Manipulation mißbraucht werden könnte? Wäre es denkbar, die EU zu nutzen, um einzelne Nationalstaaten anzugreifen, zu beschädigen, zu kontrollieren, botmäßig zu machen - früher hätte man deswegen vielleicht offene Kriege geführt, heute betreibt man stattdessen diplomatische, juristische, mediale Inszenierungen, wie wir das ja bei Ausgrenzung Österreichs erlebt haben.
Doch trotz Widder in Haus VII: die EU hat bis jetzt keine Streitkräfte, die diesen Namen verdienten, und sie scheint nach außen überdies ein ziemlicher diplomatischer Tölpel zu sein. Bei all ihrem krampfhaft dreisten Gehabe (Mahnbriefe der Kommission an die Regierungen, Strafandrohungen, "Juncker senkt Schröder den Daumen"), erscheint sie am Ende doch irgendwie schwächlich. Häufig schon konnten wir beobachten, wie sie ihre Mittel und Ressourcen falsch einsetzt (Flugplatz und Radiostationen für Arafat etwa wurden von den Israelis kaltblütig und recht schnell wieder demoliert), oder wie sie immer wieder klein beigibt (Jugoslawien-Konflikt).
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Man könnte ganz gehässig über die EU urteilen: eine signifikante "Ich-Schwäche" (Neptun in Haus I: nach Döbereiner "Probleme mit dem Vater", d.h. im Falle der EU also Probleme mit dem dominanten Konzert der Nationalregierungen, die die Institution EU ja gezeugt und erschaffen haben). Aufgrund dieser Ich-Schwäche deshalb in Gefahr, mißbraucht und "gelenkt" zu werden - sie erscheint als ein mysteriöses (Neptun in Haus I) und ein künstliches Konstrukt (Uranus in Haus X), das am gesunden Empfinden vorbeigeht (Mond in Opposition zu Uranus sowie im Wassermann). Fast möchte man sagen: ein echter "Frankenstein", der mit der juristischen und bürokratischen Brechstange wenig koordiniert durch die Geschichte trampelt. Natürlich geht so ein Urteil zu weit, aber es möge doch die Tendenzen sichtbar werden lassen, die in diesem Horoskop stecken.
Der Autor wenigstens kann sich des folgenden Urteils nicht enthalten: die EU ist keine "runde Sache", sie ist keine "glückliche Geburt". Die europäische Integration, wenn sie wie bisher weiterläuft, wird die Menschen in Europa langfristig nicht zufriedenstellen können, eher sind sogar negative Rückwirkungen und Konflikte zu erwarten.
Es wäre zu wünschen, daß irgendwann noch einmal die Gelegenheit zu einem Neuanfang in Sachen Europa gefunden werden könnte, und daß man dann den Prozess, wie er seit 1953 besteht, im Nachhinein vielleicht als eine recht lange Schwangerschaft betrachten dürfte. In gewisser Weise ist dies natürlich ein illusorischer Gedanke, denn die EU hat bereits jetzt eine gewaltige juristisch-bürokratische Masse sowie eine anerkannte völkerrechtliche und politische Existenz. Somit müßte dieser Gedanke vielleicht eher so formuliert werden: hoffentlich findet die EU später einmal ihren richtigen Partner bzw. Arbeitgeber (die Sonne ist in Haus IV!), der sie angemessen führen und die in ihr liegenden positiven Potentiale zur Entfaltung bringen, ihre negativen Eigenschaften dagegen so gut als möglich abmildern könnte. Möglicherweise ist aber ist auch dieser Gedanke illusorisch …
Prognose
Wer die folgende Datenreihe benutzt, um Transite auf das Geburtshoroskop zu berechnen und um damit die Entwicklung der letzten 50 Jahre zu analysieren, wird sehr schnell entdecken, daß die wahren Bewährungsproben für die EU in den Jahren von 2010 bis 2016 sich anbahnen werden. Man kann die Frage stellen, ob die EU diese sicher schwierige Phase überhaupt in der jetzigen Form überleben kann.
Bisherige Geschichte der EU, wichtige Ereignisse:
Vorbereitungsphase (Zollabkommen Frankreich/Deutschland/Benelux)
- 09.05.1950 Schumann kündigt in Paris die Montan-Union an
- 18.04.1951 EGKS-Vertrag wird unterzeichnet
- 24.07.1952 Einigung über den Sitz der Behörde
- 10.08.1952 Die HOHE BEHÖRDE nimmt die Arbeit auf (Luxemburg)
- 10.02.1953 Kohlezölle werden abgeschafft
- 01.05.1953 Stahlzölle werden abgeschafft
die aus diesen Vorstufen entwickelten und nun folgenden Institutionen "EWG und Euratom" sind als erste Realisierung der EG/EU aufzufassen insofern nun auch Italien mit dabei ist:
- 25.03.1957, 18:53:00 MET in Rom, der letzte Unterzeichner der Römischen Verträge legt den Füller aus der Hand
- 01.01.1958 EWG und Euratom treten in Kraft
- 01.01.1959 Gemeinsamer Markt tritt in Kraft
- 09.08.1961 Erstes Beitrittsgesuch von Großbritannien
- 14.01.1963 De Gaulle lehnt den Beitritt Großbritanniens ab
- 23.09.1963 Beschluss, die Behörden zu fusionieren
- 08.04.1965 Fusionsvertrag unterzeichnet
- 30.06.1965 Frankreich erklärt Politik des "leeren Stuhls" (Blockade der EU)
- 30.01.1966 Luxemburger Kompromiss (unvollständige Wiedereinbindung)
- 11.05.1966 Finanzregelung für den Agrarmarkt gefunden
- 06.07.1967 Kommission ("Behörden-Fusion") nimmt die Arbeit auf
- 11.05.1967 Zweites Beitrittsgesuch von GB
- 19.12.1967 Tumult in der Ministerratssitzung
- 28.04.1969 Frankreich: Rücktritt Präsident De Gaulle
- 02.12.1969 Neuanfang nach langer Blockade auf der Haager Konferenz
- 22.04.1970 Vertrag über Eigenmittel für das Parlament
- 01.01.1971 Vertrag über die Eigenmittel des Parlaments tritt in Kraft
- 21.03.1972 Beschluss zur Bildung einer Währungsschlange
- 01.01.1973 Erste Erweiterung: GB, IR, DK
- 03.04.1973 Beschluss zur Bildung eines Währungsfonds
- 10.12.1974 Beschluss zur Bildung des Europäischen Rates
- 10.03.1975 Europäischer Rat tritt erstmals zusammen
- 05.06.1976 Referendum in GB für Beitritt (nachträglich!)
- 13.07.1976 Direktwahl des Parlaments wird beschlossen
- 07.06.1979 Erste Direktwahl
- 17.07.1979 Parlament konstitutiert sich
- 08.04.1978 Beschluss zur Bildung eines Währungssystems
- 13.03.1979 EWS tritt in Kraft (Schaffung des ECU = Vorläufer des EURO)
- 01.01.1981 Zweite Erweiterung: Griechenland
- 19.06.1983 Stuttgarter Ratstagung ("neuer Motor": Kohl/Mitterand)
- 20.03.1984 Thatcher lässt eine Ratstagung scheitern
- 26.06.1984 Thatcher wird "gebändigt" (Tagung in Fontainebleau)
- 01.01.1985 Delors wird Kommissionspräsident ("Mr. Europa")
- 14.06.1985 Einigung auf "Schengener Abkommen"
- 01.01.1986 Dritte Erweiterung: Spanien und Portugal
- 01.07.1987 Einheitliche Europäische Akte
- 07.02.1992 Vertrag von Maastricht
- 01.11.1993 Vertrag von Maastricht tritt in Kraft
- 01.01.1995 Vierte Erweiterung
- 01.01.1995 Schengener Abkommen tritt in Kraft
- 01.01.1999 Währungsverrechnung (EURO) tritt in Kraft
- 11.12.2000 Chaotische Sitzungen wegen Nizza-Vertrag
- 26.02.2001 Unterzeichnung des Vertrages von Nizza
- 01.01.2002 Euro wird ausgegeben
- 28.02.2002 Verfassungskonvent tritt zusammen
- 01.01.2003 Vertrag von Nizza tritt in Kraft
- 01.01.2004 Beitritt von "Osteuropa"
- 09.05.2004 Verfassung in Rom unterzeichnet, gleichzeitig Krise um Barroso
Abbildung innen: Radix 25.03.57, Mitte: Kommission 06.07.67, Außen: Delors 01.01.85
Die Transite sind stimmig und stützen deswegen die Auswahl des Gründungszeitpunktes: Die großen Erweiterungsprozesse von 1974 und 2004 entwickeln sich entlang der Bewegung des Saturn durch Quadrant III. Die Aufnahme der Arbeit der Kommission zeigt im Transitbild die Sonne am MC sowie Saturn am DC. Der Eintritt von Jaques Delors, der eine Stärkung der Kommission brachte, ist verbunden mit einem Transit von Pluto über den Neptun des Radix, und der damit verbundenen neue Aufbruch hat seine Analogie im gleichzeitigen Transit von UR über Radix Saturn (vgl. auch die Präzision von tr SO am rad IC!).
Der Autor:
Gerhard Lukert
Im Burgmäuerle 41
71334 Waiblingen
E-mail: Gerhard.Lukert __ t-online.de
(Bitte anstelle von __ ein @ einfügen)
 
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