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In der letzten Zeit wird immer wieder von siderischer Astrologie geredet und man meint damit die vedische (indische) Astrologie. Doch diese Besetzung des Begriffs "siderisch" ist sehr jung und es sollte genau unterschieden werden. Neben der indischen, siderischen Astrologie, gibt es auch die westliche, siderische Astrologie, die als Fixsternastrologie bekannt ist. Siderisch kommt von "sidus", der Stern, in Latein. "Siderisch" bezieht sich also auf alles was den Fixsternhimmel betrifft.
Die überlieferte, westliche Fixsternastrologie ist ein schwieriges Thema, man würde gerne mehr mit ihr arbeiten, aber es ist nicht klar wie. Es ist nicht klar was nun die wirkenden Faktoren sind, ob die einzelnen Sterne oder die ganzen Sternbilder. Meist dient der tropische Tierkreis als Rechengrundlage in dem Fixsterne als zusätzliche Punkte hinzukommen. Eine besonders schwierige Angelegenheit ist daß man es mit einem zweidimensionalen Kosmos zu tun hat, statt mit einem Eindimensionalen, wie in der klassischen, tropischen Astrologie (und in der vedischen Astrologie übrigens auch). Ja, die klassische Astrologie hat nur eine veränderliche Grösse, die ekliptische Länge (die Position im Tierkreis). Bei einer Fixsternastrologie stolpert man ständig über die 2. Dimension, die ekliptische Breite, wie soll man Sterne behandeln die sich in Polnähe befinden? Obwohl unsere gewohnte Welt drei Dimensionen hat, betrachten wir in der Astrologie - in den verschiedenen Astrologien - eine Himmelskugel. Alle Himmelskörper – Planeten und Sterne – werden so betrachten als hätten sie alle die gleiche Entfernung. Es ist so als ob wir im Mittelpunkt einer Kugel sitzen und alle Punkte der Kugel gleich weit entfernt sind. Wir betrachten also die Innenoberfläche dieser imaginären Himmelskugel. Diese Innenoberfläche ist ebenso eine Fläche, obwohl sie gewölbt ist. Und eine Fläche ist immer zweidimensional. Die Entfernung der Planeten fließt nur in der Deutung ein, etwa bei Pluto als am weitesten draussen liegender Planet. Es gibt viele weitere ungeklärte Fragen in der Fixsternastrologie, etwa: was fangen wir mit der enormen Fülle an Sternen am Himmel an? Welch sollen wir deuten und wieviele? Die FixsternastrologInnen sind sich nicht darüber einig.
Der tropische Tierkreis schließt die Existenz eines siderischen Tierkreises nicht aus und umgekehrt. Die beiden Tierkreise sind durchaus mit einander zu verbinden. Ich bin davon überzeugt daß der siderische Tierkreis als weitere Einteilung dazukommt, ähnlich wie ein Häusersystem. Ein Planet wird ja immer in seiner Häuser- und Zeichenzugehörigkeit gedeutet.
Der Himmel ist in drei Sphären unterteilt, die erdnächste ist das Häusersystem, weil es ausschließlich mit der Erde zu tun hat. Als zweite Sphäre kommen die tropischen Sternzeichen, weil diese nur von Erde und Sonne abhängen, also etwas weiter entfernt sind. In dieser zweiten Sphäre liegen auch die Ekliptik und die Planeten. Die dritte Sphäre bilden die Fixsterngruppierungen. Sie sind am weitesten im Raum draussen. Man könnte sich noch eine vierte Sphäre denken, der das Galaktische Zentrum und andere Großraumstrukturen angehören. Es wäre schön wenn wir eine davon wegwerfen können, entweder die tropischen oder die siderischen Sternbilder. Aber wir können weder den tropischen Tierkreis noch den siderischen wegwerfenen, sonst hätten das die alten Griechen bereits getan. Da die Präzession so langsam ist können wir so tun als seinen zweite und dritte Sphäre ein und dasselbe. Wenn ein Menschenalter etwa 72 J. sind, dann entspricht das 1° der Präzessionbewegung. Ein paar Jahrhunderte lang können wir mit derselben Sternzeichendeutung arbeiten, danach müßte evl. etwas umgedeutet werden, weil der Sternenhimmel hinter den Sternzeichen weitergezogen ist.
Es ist wichtig die richtigen Fragen zu stellen, und gerade mal über ganz grundlegende Dinge, die von niemenden in Frage gestellt werden. Sind absolut genau festgelegte Sternzeichenübergänge nötig?1) Ist eine Astrologie ohne diese haargenauen Übergänge unbrauchbar? Es geht dabei auch um die absolute Homogenität der Sternzeichen. Ein tropisches Sternzeichen hat vom 1. bis zum letzten Grad genau dieselbe Qualität. Mit dem 1. Grad beginnt diese Qualität und wechselt plötzlich bei 29°59”59’ in die Qualität des nächsten Zeichens. Warum könnte das nicht anders sein? Es gibt z.B. die Idee der Dekanate, die etwas auf eine Heterogenität des 30°-Zeichens einzugehen versucht. Die keltische Kultur hatte das Jahr in 8. Abschnitte geteilt. Jede Jahreszeit wurde in zwei Halbjahreszeiten geteilt. Wenn die Geschichte einen anderen Lauf genommen hätte, gäbe es jetzt vielleicht 8 Sternzeichen, statt 12! In der Fixsternastrologie gibt es unscharfe Sternbildübergänge und heterogene Himmelsabschnitte. D.h. die Ekliptik hat Abschnitte, deren astrologische Qualität sich laufend verändert. Es ist vielleicht schwieriger oder ungewohnt mit ihnen umzugehen, vor allem weil es keinen Konsens darüber gibt.
Es ist verständlich wenn die klassischen, westlichen AstrologInnen an ihrem geschlossenen, tropischen Weltbild festhalten. Doch jeder Tierkreis ist nur eine Form den Himmel zu beschreiben. Jeder Tierkreis ist eine Abstraktion des Himmels. Wir brauchen Abstraktionen, oder Denkmodelle, um zu kommunizieren, zu rechnen und überhaupt um ein komplexes Thema handhabenzukönnen. Was letztendlich siegt, ist die Gewohnheit, und das System ist das Beste, in welchem wir zu Hause sind.
Der grosse Vorteil des tropischen Systems ist, daß es die Stellung eines Horoskopfaktors bezüglich der Jahreszeiten ganz klar wiedergibt. Dies ist wichtig, weil man so erfährt, welche Höhe über dem Horizont ein Gestirns erreichen kann, und wie lange es über oder unter dem Horizont verweilt. Vom trop. Steinbock bis zum trop. Zwilling ist ein Gestirn aufsteigend, in den restlichen Zeichen absteigend. In den südlichen Zeichen von Waage bis Fische steht es tief am Himmel und kürzere Zeiten über dem Horizont. Bei den nördlichen Zeichen von Widder bis Jungfrau ist es umgekehrt. Diese Eigenschaften fließen vielleicht ganz von selbst in die Deutung der Zeichen ein.
Die siderischen gleich-langen Zeichen haben den grossen Vorteil, daß sie auf die auch wichtige Qualität des Fixsternhimmels eingehen und durch gleich-lange Zeichen ist es noch leicht mit ihnen zu rechnen. Ein weiterer Vorteil ist die nicht-Prezession, die lästige Umrechnungen erspart.
Die siderischen ungleich-langen Sternbilder haben den Vorteil genauer auf die dahinterliegende Heterogenität des Himmels einzugehen, besonders wenn Fixsterne miteinbezogen werden. Nachteile sind die erheblich schwierigeren Rechnungen und komplizierte Horoskopzeichnungen, und die nicht einheitlichen Systeme.
Der Himmel, der Kosmos, das All, ist etwas so immens Grosses, etwas Unfaßbares, es reichen nicht die drei uns bekannten Raumdimensionen aus um ihn zu beschreiben, auch nicht vier oder fünf, es sind unendlich viele Dimensionen. Ebenso ist ein einziger Tierkreis unzulänglich um den Himmel darzustellen. Der Tropische gibt bestimmte Eigenschaften wieder, ebenso jeder der verschiedenen siderischen Tierkreise. Auch die Mayaastrologie, die ganz anders aufgebaut ist, oder die chinesische Astrologie, alle haben eigene Blickwinkel und Rechenmethoden. Doch keins der Systeme ist das Absolute, Einzigste. Jedes ist nur ein weiteres Denkmodell, und nicht mal alle Astrologien, aller Kulturen und aller Zeitalter würden ausreichen um das wiederzugeben was der Himmel ist und wie er auf uns, auf alle Lebewesen und auf die Bedingungen auf der Erde wirkt.
Der nächste Stern ist 4 Lichtjahre entfernt, wer kann sich diese Entfernung vorstellen? Oder die fünf Lichtstunden zum Pluto, oder die 150 Mio. km zur Sonne. Auch keine AstronomIn oder AstrophysikerIn weiß was der Kosmos wirklich ist. Die astrophysikalischen Weltbilder beschreiben bestimmte Facetten des Kosmos. Es ist eine Welt der Zahlen und Messungen, wo aber das Mitschwingen der Lebewesen mit dem Kosmos ignoriert wird.
Dann gibt es auch noch unsere Zeitmaße, die einer Konfrontation mit der Ewigkeit nicht stand halten. In was für Zeitmaßen denken wir? Wann begann die Kenntnis über den tropischen Tierkreis? Vor 2000 Jahren? Der Frühlingspunkt kreiselt in 26.000 Jahren einmal um den Zodiak. Da alle Sterne eine Eigenbewegung haben, ist bei Beendung einer solchen Umkreiselung kein Sternbild mehr so wie es war, viele sind dann nur schwer wiederzuerkennen. Die Sterne haben um 1, 2 oder mehr Grad ihre Position verändert. Sie sind heller oder lichtschwächer geworden.2) Unser Menschenleben ist sehr klein, im Vergleich zum Kosmos. Wir sind kleiner als irgendwelche Insekten im Vergleich zu grossen Tierarten.. (Groß ist die Seele.) Unsere tropischen Bezeichnungen, Widder, Stier, usw. haben dann keine Sternbilder mehr denen sie entsprechen. Hätten sie dann noch einen Sinn?
Das Wassermannzeitalter und die (un)genauen Sternbild-Übergänge
Reden wir vom Wassermannzeitalter (WMZ). Dieses Zeitalter beginnt mit dem Eintritt des Frühlingspunktes in den siderischen Wassermann, durch die rückläufige Bewegung des tropischen Tierkreis bezüglich des siderischischen Himmels. Wenn es keinen siderischen Tierkreis gibt, dann dürfte es auch kein Wassermannzeitalter geben. Wenn der siderische Tierkreis nun für den Frühlingspunkt doch gültig ist, warum ist er es auch nicht für Planeten, Sonne und Horoskopachsen? Und warum ist nur der Frühlingspunkt wichtig und warum nicht Herbst, - Sommer- oder Winterpunkt? Und warum sind nur die siderischen Sternbildübergänge relevant – also in diesem Fall der Übergang von den Fischen in den Wassermann - und nicht bestimmte Sterne oder andere Elemente des Fixsternhimmels, wie etwa das Galaktische Zentrum?3)
Niemand gibt genau darüber Auskunft wann das Wassermannzeitalter wirklich anfängt. Viele Menschen behaupten es habe schon angefangen. Deshalb steigen wir jetzt ein bißchen in das Labyrinth der siderischen Tierkreise hinab um dieser Frage nachzugehen. Es gibt ja mehrere siderische Tierkreise. Es gibt einmal die ungleich-langen siderischen Sternbilder, die an den tatsächlichen Sterngrupierungen bemessen sind und die u.a. von den AntroposophInnen benutzt werden, insbesondere im beliebten Aussaattage-Kalender von Maria Thun. Diese ungleich-langen Sternbilder ohne genau festgelegten Übergänge haben Übergangsschwellen, die bis 3° groß sind.
Dann gibt es den siderischen Tierkreis mit gleichenmässigen 30°-langen Sternzeichen, hier sind die Übergänge ganz genau definiert, aber ..... ups!.... es gibt verschiedene Ayanamshas. Der Ayanamsha verbindet den jeweiligen siderischen Tierkreis mit dem tropischen Tierkreis. Es ist der Punkt im tropischen Tierkreis wo der jeweilige siderische Tierkreis anfängt, d.h. wo die siderischen 0° Widder sind. So hat jede Kultur ihren eigenen Ayanamsha. Die indische Astrologie hat Spika genau auf den Anfang der sid. Waage gelegt. Hipparchus (um 150 v. C.) hatte einen Stern in den Fischen als Referenz4). Die Babylonier legten fest, daß Aldebaran (alfa Taurus) genau auf 15° Stier liegt. Dann gibt es moderne Stimmen die sagen das Galaktische Zentrum sollte den Übergang zwischen Schütze und Skorpion markieren.
Ich persönlich habe auch einen Punkt der mir als der geeigneteste erscheint für einen Ayanamsha. Die Andromedagalaxie (M31) liegt genau auf dem Übergang zwischen Fische und Widder. Von ihren astrologischen Eigenschaften her und von ihrer Stellung eben am Anfang des Fixsterntierkreises scheint sie mir der wirkliche Anfang zu sein. Sie lag im Jahr 2000 bei 27°43 Widder.
In der Tabelle werden verschiedene WMZ-Anfänge nebeneinandergestellt.
Die ersten vier Zeilen betreffen siderische Tierkreise mit gleichenlangen 30°-Zeichen.
Der 5. und 6. aufgelistete Tierkreis ist der mit den ungleichlangen Sternbildern. Hier habe ich mich am antroposophischen Sternkalender inspiriert, der sich konsequent nach dem letzten Stern des endenden und dem ersten Stern des beginnenden Sternbildes richtet und so mit einer Übergangsschwelle rechnet.
In der ersten Spalte ist die Benennung, bzw. die Umschreibung, in der 2. der Aufhängepunkt am Sternenhimmel, in der 3. Spalte die tropische Position, in der 4. Spalte findet man die tropische Position des rückläufig angelaufenden Wassermannendes, und in der 5. Spalte steht das linear berechnete Anfangsjahr des WMZ.
Alle Angaben sind in tropischen Graden.
| siderischer Tierkreis | Aufhängepunkt am Sternenhimmel | Ayanamsha von 2000 | Ende des siderischen Wassermann | Beginn des Wassermann-zeitalters |
| Hipparchus | zeta Piscis | 19°53 Widder | 19°53 Fische | 2728 |
| Indisch | Opposition zu Spika | 23°51 Widder | 23°51 Fische | 2512 |
| Babylonisch | Aldebaran auf 15° Stier | 24°47 Widder | 24°47 Fische | 2443 |
| eine moderne Sicht | Gal. Zentrum zw. Skorpion u. Schütze | 26°54 Widder | 26°54 Fische | 2223 |
| eine andere moderne Sicht | Andromedagalaxie (M31) | 27°43 Widder | 27°43 Fische | 2164 |
| ungleich-lange Sternbilder5) | Übergangszone Fische-Widder: zwischen alfa Piscis und gamma Aries | zw. 29°22 Widder und 3°11 Stier | | |
| ungleich-lange Sternbilder5) | Übergangszone Fische-Wassermann: zwischen beta Piscis und phi Aquarius | | zw. 18°25 Fische und 17°08 Fische | 2834 bis 2926 |
Diese verschiedenen Ayanamshas variieren bis 10°. Bei einer Rechnung wo 72 Jahre 1° Prezession entsprechen, beginnt nach dem indischen Tierkreis, das Wassermannzeitalter im Jahr 2512, nach dem babylonischen im Jahr 2443, wenn das Galaktische Zentrum der Anhaltspunkt ist beginnt es im Jahr 2223, wenn es die Andromedagalaxie ist in Jahr 2164. Bei den ungleich-langen Sternbildern müssen wir noch mindestens bis 2834 warten um das ersehnte Zeitalter zu erleben. Doch die Astrologie hat wiederum Auswege aus diesem Dilemma! Wenn wir mit einem Orbis von 5° rechnen ergibt das einen Zeitorbis von 5x72 Jahren = 360 Jahren. Also sind wir eventuell schon im Orbis der Konjunktion des Frühlingspunktes mit dem Anfang des Wassermanns. Also haben Menschen, die behaupten das Wassermannzeitalter habe schon angefangen, nicht ganz unrecht.
Quellen:
1) Artikel von Dieter Koch im Meridian 3/04
2) Sky Catalogue 2000.0, A. Hirschfeld, R. Sinnott, F. Ochsenbein, 1991;
3) "Das Galaktische Zentrum" in Sternzeit Nr. 7/2001 und 8/2001, Anabela Cudell;
4) www.astro.com/swisseph/swisseph.htm, 25-01-2003;
5) Sternkalender, Ostern bis Ostern, Wolfgang Held, Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum;
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